Joachim Llambi kommt nach Remscheid! – Diesem Umstand verdanke ich ein signiertes Buch und Bestätigungen meiner Kritik-Philosophie. Aber der Reihe nach.
Anlässlich eines Tanzwettbewerbs besuchte Joachim Llambi am 01.10.2016 meine Heimatstadt. Der Ex-Profi-Tänzer und TV-Moderator saß in der Jury.
Als ich die Ankündigung las, überkam mich eine wahnwitzige Idee. Nein, vortanzen wollte ich nicht. Aber ein Autogramm, das wäre doch fein.
Nun bin ich kein Autogrammjäger und ich sammle keine Autogrammkarten – aber Bücher, und signiert sind diese blättrigen Kleinode nochmal so schön.
Alle Promis von A-Z geben heute Bücher raus, auch Joachim Llambi. Schnell gekauft, reingelesen, signieren lassen (ich habe bereits darüber berichtet). Lesen beenden.
Nun folgt meine Rezension unter der Prämisse, die Joachim Llambi in seinem Buch behandelt: Mut zur ehrlichen Kritik.
Joachim Llambi – wer ist das?
Joachim Llambi – wer ist das? Weder Freunde noch Familie wussten, wer das sein sollte. Keiner von ihnen sah sich die Tanz-Show Let´s Dance (Sat1) an. Dort sitzt er bereits seit 2006 in der Jury und urteilt über die prominenten Tänzer, selten nimmt er ein Blatt vor den Mund, bleibt bei seiner Kritik jedoch (meistens) sachlich und (fast) immer ehrlich.
Abgesehen von seiner Jury-Tätigkeit, moderiert er verschiedene Shows, u.a. die Spielshow Jeopardy! (RTL).Nun hatte Joachim Llambi vor seiner TV-Karriere in anderen Bereichen das Treppchen bestiegen.
Der 1964 in Duisburg geborene Joachim Llambi besitzt neben der deutschen auch die spanische Staatsangehörigkeit. Nach dem Abitur (1984) absolvierte er seine Ausbildung zum Bankkaufmann an der Stadtsparkasse in Duisburg. Danach suchte er als Aktienmakler bis 2012 die Herausforderung an der Düsseldorfer Börse. Zeitgleich entwickelte er seine Bühnenpräsenz bei zahlreichen Veranstaltungen im globalen Themenbereich Finanzen.
Neben all diesen eher „steifen“ beruflichen Aktivitäten, schien das Tanzen ein perfekter Ausgleich zu sein. Doch auch hier bewegte er sich nicht auf dem laienhaften Parkett, er war viele Jahre professioneller Turniertänzer. Nach seiner aktiven Laufbahn blieb er dem Tanzsport als Jurymitglied bei zahlreichen Veranstaltungen treu, außerdem war er von 2012-2016 Direktor beim Deutschen Tanzsportverband e.V.
Zum Buch
»Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen« erschien 2014 im Ullstein / Econ List Verlag. Auf 265 Seiten – keine Fotos oder Grafiken – erläutert Joachim Llambi seine Erfahrungen und seine Meinung zum Thema Kritik. Die zahlreichen Abschnitte sind mit Überschriften versehen. Der Text ist gut lektoriert, liest sich angenehm und verständlich, ohne simpel zu wirken.
In seinem Prolog entschuldigt er sich für das Wort „Scheiße!“, das er bei einer Sendung als Kritik verwendet hat. Auch am Ende des Buches greift er Grund, Wort und Sinn noch einmal auf.
Dazwischen berichtet er über eigene Erfahrungen, selbst ausgesprochene, aber auch erhaltene Kritik. Seine Erkenntnisse untermauert er anhand von Beispielen und zieht auch Parallelen zum Tanzen. Häufig fällt der Name Dieter Bohlen und DSDS.
Er berichtet über seine Wahrnehmungen zur Kritik in der Öffentlichkeit – vom antiquierten Leserbrief bis zum heutigen Social-Media-Kurz-Posting, das sich gern zu einem Shitstorm entwickelt.
Joachim Llambi hält der Gesellschaft den Spiegel vor: Internet, Smartphones, Casting-Shows – eine schnelllebige Zeit, meist unfähig mit Kritik umzugehen, denn das muss erlernt werden.
Kritik ist das zentrale Thema. Joachim Llambi verdeutlicht, wie facettenreich Kritik anzuwenden, und wie bedeutsam sie für unser Leben, ja unsere Entwicklung ist. Und er vergisst bei all dem nicht, dass wir selbstkritischer zum Ziel kommen.
Bei all seinen Erläuterungen bleibt er stets auf einer persönlichen, stellenweise belehrenden, aber nicht wissenschaftlichen Ebene. Was er dem Leser vermitteln möchte ist seine Meinung, das ist vollkommen okay. Manchmal wiederholt er sich, und nicht selten habe ich das Gefühl »Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen« wirkt wie eine Ansammlung von Kolumnen – das ist keinesfalls negativ gemeint. Im Gegenteil empfinde ich diese Form authentisch. Und darum geht es doch.
An manchen Stellen scheint es, als habe er den Wunsch, sich für seinen Mut zur ehrlichen Kritik verteidigen zu müssen. Das verstehe ich gut, musste er doch in der Vergangenheit auch wegen seiner Meinung Kritik einstecken.
Manchmal klingen seine Worte ein wenig arrogant für denjenigen, der nicht weiß, wie Kritik vermittelt werden sollte, damit sie den Gegenüber nicht ins Herz trifft, sondern den Kampfgeist anregt.
In vielen Punkten seiner Erläuterung bin ich mit ihm einer Meinung, doch manche Beispiele sind etwas nachlässig recherchiert oder wurden zu sehr verallgemeinert.
Mein Statement zum Thema
Ich kenne mich mit Kritik aus, einen Shitstorm habe ich überlebt, ich weiß, was Trolle ausrichten können – ich habe es hinter mir. Im Moment. Sie können jederzeit wiederkommen.
Ich mag ehrliche Kritik, sie ist der Ansporn, der Fingerzeig, den ich ergreifen und mich daran neu orientieren, ja ausrichten kann. Kritik, die nur aus gut oder schlecht besteht, interessiert mich nicht. Das Warum? ist die wichtige Frage, denn damit kann ich arbeiten – an mir, an meinem Projekt.
Fazit
Ein Buch, das nur derjenige lesen wird, der sich mit dem Thema Kritik selbst auseinander gesetzt hat oder setzen muss, alle anderen – eher nicht kritikfähigen Menschen – interessieren sich nicht dafür, dabei sollten genau DIE das Buch lesen.
»Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen« liest sich interessant, ist lehrreich, sympathisch und Bestätigung für alle, die Kritik dankbar und selbstkritisch entgegen nehmen.
Joachim Llambi
»Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen«
Ullstein / Econ Verlag, Februar 2014
Klappenbroschur, 256 Seiten
16,99 €
Das Buch ist auch als ebook für 14,99 € erhältlich.
Webtipps
- Weitere Infos zum Buch beim Verlag
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- Offizielle Webseite von Joachim Llambi
© Cover: »Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen« von Joachim Llambi / Ullstein Verlag