Ich gebe es zu, ich mag Musicals, wäre aber möglicherweise nicht auf »Die 10 Gebote« aufmerksam geworden, wenn mein Sohn nicht im 200 Personen starken Chor mitgesungen hätte. Natürlich will ich das sehen. Und was ich zu sehen bekam, ging weit über eine normale Vorstellung hinaus. Denn ich hatte das Vergnügen, ab und an bei den Proben und der Generalprobe dabei sein zu können. Die Musik kannte ich schon vorher, sie wurde daheim gesungen, geträllert, von CD abgespielt, gesummt und vor allem geübt. Das klang gut. Melodien, die rockig bis poppig ins Ohr und in die Beine gingen.
Bei den Proben dabei zu sein, empfand ich als besonderes Erlebnis. Die vielen Menschen, die Musik, das Neue, die Stimmen, das Zwischenmenschliche auf der Bühne war inspirierend. Mehr noch: Überwältigend und einzigartig, denn wer hat schon die Möglichkeit, auch mal hinter die Kulissen zu schauen? Ich musste diese Chance nutzen und bin künstlerisch wie kreativ und mental total euphorisch. Ein warmes Gefühl.
Und das Dahinterschauen birgt einen weiteren Vorteil gegenüber anderen Musicals, diesmal wusste ich die Namen der Darsteller zuzuordnen. Das ist bei vielen Bühnenstücken schon deshalb oft nicht möglich, da die Programmhefte, wenn überhaupt, nur das Ursprungsensemble enthalten.
Die Darsteller in Solingen und Remscheid:
- Moses: David Michael Johnson
- Ziporah: Silvia Vicinelli
- Aaron: Leon van Leeuwenberg
- Naroch: Martin Berger
- Pharao: Stefan Poslovski
- Gott: Otto Sander (Seine Stimme kam von Band.)
- Ensemble Silke Braas, Miriam Köpke, Stefan Stara, Lucius Wolter
- Drei Mal zwei regionale Erzählerinnen, die nach Castings ausgewählt wurden.
- Und mehr als 200 Sänger und Sängerinnen, zusammengestellt aus Solinger und Remscheider Chören.
Sonntagabend, das Theater voll besetzt.
Das Bühnenbild beschränkte sich auf die Musik: Chor, Band, Remscheider Symph0niker, Solisten, Dirigent – exakt in der Reihenfolge. Monumental! Silvia Vicinelli als Ziporah produziert mit ihrer Stimme Gänsehaut – im positiven Sinne natürlich. Und Leon van Leeuwenberg alias Aaron scheint richtig Spaß zu haben auf den Brettern, die ihm anscheinend die Welt bedeuten. Stefan Poslovski als Pharao – genial!
Es fehlte jedoch an der visuellen Unterstützung: Eine der erzählten Geschichte angepasste Kulisse gab es nicht. Dafür wäre auf der Bühne auch kein Platz mehr gewesen. Die Kulisse war Musik. Das passte zum Pop-Oratorium. Eher unpassend, wenn auch durch ein wenig Phantasie zu ersetzen: Die fehlenden Requisiten, z.B. Moses Stab oder der brennende Busch. Störend waren jedoch die fehlenden Kostüme der Solisten. Ob Moses, Naroch oder Aaron, sie wirkten eher so, als hätten sie sich für eine Party verabredet. Lediglich der Pharao (Stefan Poslovski) hatte einen Mantel an, der einigermaßen passend erschien. Die beiden Damen des Ensembles trugen schwarze Kleider, die beiden Herren ebenfalls dunkle Kleidung. Moses trat mit Jeans und einem orangebuntem Hemd auf, das zu seiner Ehefrau Ziporah, die in rotem Abendkleid auf die Bühne kam, nicht so recht passen wollte. Möglicherweise reichte das Budget für Kostüme nicht.
Hier musste der Zuschauer Abstriche machen und sich auf sein Gehör konzentrieren. Und das, was er zu hören bekam, war grandios. Die Solisten, allesamt Musical-Stars, die ihr Können bereits auf großen Bühnen bewiesen haben, wussten ihre Stimmen perfekt einzusetzen.
Meinen Respekt verdienen jedoch die Erzählerinnen und die Sänger und Sängerinnen der Chöre – allesamt Laien, die sich für diesen einen Zweck zusammengefunden und monatelang gemeinsam geübt haben. Großartig! Alles passte! Vielen Dank!
Musikalisch monumental trifft die Umschreibung dieses von Dieter Falk und Michael Kunze inszenierten Pop-Oratoriums am Besten, das Christoph Spengler in Remscheid und Solingen hervorragend umgesetzt hat.
Warum ich nicht schon früher davon bericht habe, ist schnell erklärt: Alle sechs Vorstellungen des Musicals, die in Solingen und Remscheid stattfanden, waren bereits sehr früh ausverkauft.
Das im Januar 2010 uraufgeführt Pop-Oratorium wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Die nächsten Vorstellungen, dann mit (zum Teil) einem anderen Ensemble und 2400 (!!!) Sängern und Sängerinnen aus unterschiedlichsten Chören finden im nächsten Jahr in Düsseldorf, Braunschweig, Mannheim und Hannover statt. U.a. wird dann, wie in der Erstbesetzung in Dortmund, auch Bahar von Monrose die Ziporah singen. Die Stimme von Gott übernimmt auch hier Otto Sander. Der Pharao wird weiterhin von Stefan Poslovski verkörpert.
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